Warum The Mandalorian & Grogu aussieht wie klassisches Star Wars – und das kein Zufall ist

Ein Blick hinter die Kulissen der Spezialeffekte – mit Stop Motion, Miniaturen, Animatronics und modernen VFX.

Als ich The Mandalorian & Grogu im Kino gesehen habe, hatte ich bei einer Szene plötzlich das Gefühl: Moment mal … das sieht nach Stop Motion aus.

Gegen Ende des Films kämpfen zwei riesige Droiden – und ihre Bewegungen wirkten anders als modernes CGI. Etwas ruckeliger, greifbarer und irgendwie vertraut. Tatsächlich war das keine Einbildung.

Also habe ich recherchiert. Und dabei bin ich auf spannende Interviews mit John Knoll gestoßen.

John Knoll im Cockpit eines abgestürzten Partisan-X-Wing-Jägers auf Jedha aus „Rogue One: A Star Wars Story“.

Falls euch der Name nichts sagt: John Knoll gehört zu den wichtigsten Visual-Effects-Künstlern Hollywoods. Er arbeitet seit über 35 Jahren bei ILM (Industrial Light & Magic), war an unzähligen Star-Wars-Filmen beteiligt und gilt außerdem als Miterfinder von Adobe Photoshop. Als Production VFX Supervisor war er für die visuellen Effekte von The Mandalorian & Groguverantwortlich.

John Knoll im Cockpit eines abgestürzten Partisan-X-Wing-Jägers auf Jedha aus „Rogue One: A Star Wars Story“.

Je mehr ich über die Entstehung des Films gelesen habe, desto klarer wurde: Der besondere Look ist kein Zufall. Jon Favreau und ILM haben bewusst auf eine Mischung aus klassischen und modernen Tricktechniken gesetzt – und genau das macht den Film für mich so besonders.

Stop Motion lebt wieder

Mein erster Eindruck war also richtig.

Die beiden riesigen Droiden gegen Ende des Films wurden tatsächlich von Phil Tippett und seinem Tippett Studio animiert. Tippett war bereits in den 70er- und 80er-Jahren einer der wichtigsten Stop-Motion-Künstler bei Star Wars und arbeitete unter anderem an den AT-ATs, Tauntauns und vielen Kreaturen der Originaltrilogie.

Für The Mandalorian & Grogu durfte er erneut eine Sequenz im klassischen Stil animieren. Genau deshalb wirken die Bewegungen so anders als bei vollständig computergenerierten Figuren. Es ist kein Fehler – sondern eine bewusste Hommage an die Filmgeschichte.

Phil Tippett paints the Rancor miniature that was used for 'Star Wars: Return of the Jedi.'

Phil Tippett bemalt die Rancor-Miniatur, die für „Star Wars: Die Rückkehr der Jedi-Ritter“ verwendet wurde.

Grogu ist immer noch überwiegend eine Puppe

Viele Zuschauer gehen davon aus, dass Grogu inzwischen komplett aus dem Computer stammt. Tatsächlich wird der kleine Jedi weiterhin hauptsächlich als aufwendige Animatronic-Puppe von Legacy Effects gespielt.

CGI kommt nur dann zum Einsatz, wenn Grogu springt, klettert oder besonders komplexe Bewegungen ausführen muss. Selbst diese digitalen Szenen orientieren sich am Bewegungsverhalten der echten Puppe, damit der Charakter seinen handgemachten Charme behält.

Echte Miniaturen statt nur CGI

Besonders überrascht hat mich eine Aussage von John Knoll.

Für den Kinofilm wurden wieder echte Raumschiffmodelle gebaut und mit Motion-Control-Kameras aufgenommen – genau wie bei den klassischen Star-Wars-Filmen der 1970er-Jahre.

Sogar die Razor Crest entstand als physisches Modell. Laut Knoll liefern echte Oberflächen, Lichtreflexe und kleine Unregelmäßigkeiten noch immer Ergebnisse, die selbst modernstes CGI nur schwer vollständig nachbilden kann.

Ein fast 50 Jahre altes Modell bekommt seinen ersten Kinoauftritt

Die vielleicht schönste Geschichte stammt ebenfalls von John Knoll.

Während der Dreharbeiten sprach er mit Modellbauer John Goodson. Dabei stellte sich heraus, dass ein originales Y-Wing-Modell aus dem Jahr 1976 nie im ersten Star-Wars-Film zu sehen war. Es war damals nach England geschickt worden, um als Vorlage für große Studiokulissen zu dienen, und wurde deshalb nie gefilmt.

George Lucas erlaubte ILM schließlich, genau dieses historische Modell für The Mandalorian & Grogu zu verwenden. Fast fünf Jahrzehnte nach seinem Bau hat das Modell damit seinen ersten Kinoauftritt überhaupt.

Allein diese Geschichte zeigt, mit wie viel Respekt das Team an die Geschichte von Star Wars herangegangen ist.

Der rot gestreifte Y-Wing, der für Motion-Control-Aufnahmen vorbereitet wurde. Das Team filmte zwei Aufnahmen des Modells für die Nal-Hutta-Kampfsequenz des Films.

Jon Favreaus Philosophie

Was diesen Film für mich so besonders macht, ist nicht eine einzelne Tricktechnik.

Jon Favreau wollte offenbar gar nicht den Eindruck erzeugen, dass alles perfekt digital aussieht. Stattdessen wurde immer die Technik gewählt, die für eine bestimmte Szene am überzeugendsten funktioniert. Er wollte den Charme der Originalfilme zurückholen.

Dazu gehören:

  • Animatronics für Grogu

  • Stop Motion für bestimmte Droiden

  • Miniaturmodelle für Raumschiffe

  • große praktische Kulissen

  • StageCraft-LED-Wände

  • modernes CGI nur dort, wo es wirklich notwendig war

  • kleine Unregelmäßigkeiten

Das Ergebnis fühlt sich überraschend greifbar an. Viele Szenen besitzen eine Haptik, die man in heutigen Blockbustern nur noch selten erlebt.

 

„StageCraft Volume“ feiert auf der D23 seine öffentliche Premiere

Über 2.700 VFX-Shots – und trotzdem fühlt sich alles echt an

Wenn man hört, dass der Film über 2.700 Visual-Effects-Einstellungen enthält, denkt man automatisch:

„Dann ist doch sowieso alles aus dem Computer.“

Genau das Gegenteil ist der Fall.

Viele dieser VFX-Shots bestehen aus einer Kombination aus:

  • echten Miniaturen

  • Puppen

  • Motion-Control-Aufnahmen

  • StageCraft-LED-Wänden

  • digitalen Matte Paintings

  • CGI

  • und klassischen Compositings.

ILM nutzt heute praktisch das komplette Werkzeug, das sich seit fast fünfzig Jahren Filmgeschichte entwickelt hat.

Das Ergebnis wirkt erstaunlich greifbar.

Mein Fazit

Vielleicht war genau das der Grund, warum mir die beiden Droiden sofort aufgefallen sind.

Sie wirkten nicht wie perfekte Computeranimationen, sondern wie etwas, das tatsächlich am Set existierte. Und genau das war offenbar die Absicht.

The Mandalorian & Grogu zeigt eindrucksvoll, dass moderne Spezialeffekte nicht bedeuten müssen, alles vollständig digital zu erschaffen. Manchmal entsteht die größte Magie gerade dann, wenn alte Handwerkskunst und modernste Technik miteinander kombiniert werden.

Ich finde es großartig, dass Jon Favreau, John Knoll und das gesamte Team von ILM den Mut hatten, auf Techniken zurückzugreifen, die viele längst für überholt hielten. Statt ausschließlich auf CGI zu setzen, verbinden sie Stop Motion, Animatronics, Miniaturen und digitale Effekte zu etwas, das sich erstaunlich echt anfühlt.

Vielleicht ist genau das der Grund, warum sich The Mandalorian & Grogu für viele Zuschauer wieder wie klassisches Star Wars anfühlt – und das ist ganz sicher kein Zufall.

Sehenswert: Die besten Making-of-Videos

Neben den Interviews haben mir vor allem diese Videos geholfen, den enormen Aufwand hinter The Mandalorian & Grogu zu verstehen. Wenn ihr euch für Spezialeffekte, Modellbau oder Filmproduktion interessiert, solltet ihr sie euch unbedingt ansehen.

⭐ Adam Savage besucht das Set von The Mandalorian & Grogu (Absolute Empfehlung)

Meine persönliche Empfehlung. Jon Favreau führt Adam Savage durch die Produktionshallen, zeigt echte Kulissen, Miniaturmodelle, Grogu-Animatronics, Kreaturen aus der Werkstatt von Legacy Effects und gibt faszinierende Einblicke in die praktische Umsetzung des Films. So nah kommt man einer aktuellen Star-Wars-Produktion nur selten.

Adam Savage besucht das Set von The Mandalorian & Grogu

🎬 Adam Savage bringt Grogu zum Leben

Wie funktioniert eine Animatronic-Figur eigentlich? In diesem Video zeigt Adam Savage eindrucksvoll, wie viel Mechanik, Puppenspiel und Handarbeit in Grogu steckt. Besonders spannend sind die Details zur Mimik und den feinen Bewegungen, die den kleinen Jedi so lebendig wirken lassen.

🤖 Weitere Einblicke hinter die Kulissen

Dieses Video ergänzt die offiziellen Making-ofs mit zusätzlichen Aufnahmen aus der Produktion und zeigt weitere Details zu Sets, Modellen und Spezialeffekten.

🎥 Behind the Scenes – Weitere Eindrücke aus der Produktion

Noch mehr Material direkt aus der Produktion von The Mandalorian & Grogu. Wer nach dem Lesen des Artikels Lust auf weitere Eindrücke bekommen hat, wird hier ebenfalls fündig.

Quellen & weiterführende Einblicke

Für diesen Artikel habe ich verschiedene Interviews und Fachbeiträge ausgewertet. Besonders spannend fand ich dabei die Aussagen der Menschen, die den Film tatsächlich entwickelt und umgesetzt haben. Die folgenden Beiträge kann ich jedem empfehlen, der tiefer in die Entstehung von The Mandalorian & Grogu eintauchen möchte.

  • The Art of VFX – Das wohl ausführlichste Interview mit Production VFX Supervisor John Knoll sowie Hal Hickel und Justin van der Lek. Ein faszinierender Einblick in Miniaturen, Stop Motion, Animatronics, StageCraft und die Philosophie hinter den visuellen Effekten.

  • VFX Voice – Ein umfangreicher Bericht mit Interviews von Jon Favreau und John Knoll. Besonders spannend ist Favreaus Aussage, dass für den Film bewusst „jede Generation visueller Effekte“ zum Einsatz kommt – von modernem CGI über Motion-Control-Miniaturen bis hin zu Stop Motion mit Phil Tippett. Außerdem gibt der Artikel interessante Einblicke in Previsualisierung, Apple Vision Pro, virtuelle Setbegehungen und die Produktion der über 2.200 VFX-Shots des Films.

  • Polygon – Regisseur Jon Favreau spricht über seine Liebe zu praktischen Effekten und erklärt, warum sich The Mandalorian & Grogu bewusst an der handgemachten Ästhetik der Originaltrilogie orientiert.

  • American Society of Cinematographers (ASC) – Ein außergewöhnlicher Blick auf die eigens gebaute Razor-Crest-Miniatur und die aufwendige Motion-Control-Fotografie. Der Beitrag zeigt eindrucksvoll, weshalb physische Modelle selbst im Zeitalter modernster Computergrafik noch immer eine wichtige Rolle spielen.

  • Space.com – Phil Tippett blickt auf seine jahrzehntelange Arbeit an Star Wars zurück und spricht über die Rückkehr klassischer Stop-Motion-Techniken. Gerade nach der Droiden-Sequenz in The Mandalorian & Grogueine äußerst lesenswerte Ergänzung.

Vielen Dank

Falls euch der Artikel gefallen hat oder euch beim Schauen des Films weitere Details aufgefallen sind, schreibt es gerne in die Kommentare. Mich interessiert besonders, welche praktischen Effekte oder kleinen Hommagen euch aufgefallen sind – denn genau solche Details machen Star Wars für mich bis heute so faszinierend.

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